Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus)
Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus)

 Zecken gehören zu den erfolgreichsten Parasiten Europas. Jährlich werden hunderttausende Zeckenstiche – umgangssprachlich Zeckenbisse – registriert. Viele bleiben unbemerkt, manche verlaufen harmlos, einige führen jedoch zu ernsthaften Erkrankungen wie der Lyme-Borreliose oder der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis).

Dieser ausführliche Ratgeber erklärt Ihnen fundiert und verständlich:

  • Wie Zecken leben und ihren Wirt finden
  • Welche Krankheiten sie übertragen
  • Wie hoch das Risiko wirklich ist
  • Wie Sie sich effektiv schützen
  • Was nach einem Zeckenstich konkret zu tun ist

Dabei trennen wir Mythen von medizinisch belegten Fakten. Zecken sind kein Randphänomen mehr, sondern ein ganzjähriges Gesundheitsrisiko in weiten Teilen Europas.

Mit dem richtigen Wissen, konsequenter Prävention und schnellem Handeln nach einem Zeckenstich lässt sich das Risiko schwerer Erkrankungen jedoch erheblich reduzieren.

Wichtig ist eine sachliche Betrachtung: Nicht in Panik verfallen – aber Risiken ernst nehmen.

Erste Hilfe nach einem Zeckenstich

Sofortmaßnahme: Zecke entfernen!

Je früher, desto besser – insbesondere zur Vermeidung einer Borreliose.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Spitze Pinzette oder Zeckenzange verwenden
  2. Zecke hautnah greifen
  3. Langsam, gerade herausziehen
  4. Nicht drehen, nicht quetschen
  5. Kein Öl, kein Klebstoff, kein Alkohol vorher

Danach:

  • Stichstelle desinfizieren
  • Datum notieren
  • Haut 6 Wochen beobachten
Hyalomma-Zecke

Warnzeichen nach einem Zeckenstich

Sofort ärztlich abklären bei:

  • ringförmiger Rötung
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Nackensteife
  • Lähmungserscheinungen
  • unerklärlicher Müdigkeit

Wichtig: Weisen Sie Ihren Arzt aktiv auf einen möglichen Zeckenstich hin.


Warum Zeckenstiche oft unbemerkt bleiben

Zecken geben beim Stechen ein betäubendes Sekret ab.

Dadurch:

  • spürt man keinen Schmerz
  • fehlt unmittelbare Warnreaktion
  • bleiben Zecken oft stundenlang unentdeckt

Viele Menschen erinnern sich später nicht mehr an den eigentlichen Stich.


Wie Borrelien in die Zecke gelangen

Zecken infizieren sich beim Blutsaugen an:

  • Mäusen
  • kleinen Nagetieren
  • Vögeln

Diese Tiere bilden das natürliche Erregerreservoir.


Risikoabwägung – realistisch bleiben

Nicht jeder Zeckenstich führt zu einer Erkrankung.

Selbst in Hochrisikogebieten gilt:

  • Nur ein Teil der Zecken ist infiziert
  • Nicht jede infizierte Zecke überträgt Erreger
  • Nicht jede Infektion führt zu einer Erkrankung

Trotzdem ist Vorsorge entscheidend.


Zusammenfassung: Das müssen Sie wissen

  • Zecken lauern im Gras – nicht auf Bäumen
  • Frühes Entfernen reduziert Borreliose-Risiko
  • FSME kann sofort übertragen werden
  • Wanderröte ist ein ernstzunehmendes Warnzeichen
  • FSME ist impfbar, Borreliose nicht
  • Schutz durch Kleidung und Kontrolle ist am effektivsten

Zecken – Biologie, Lebensweise und Verbreitung

Zecken gehören zur Ordnung der Ixodida innerhalb der Milbentiere. Es handelt sich um blutsaugende Ektoparasiten. In Mitteleuropa ist die wichtigste Art der Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus).

Mythos: Zecken fallen von Bäumen

Das ist falsch. Zecken halten sich überwiegend:

  • in hohem Gras
  • im Unterholz
  • an Wald- und Wegrändern
  • in feuchten Wiesen
  • in Gärten und Stadtparks

auf. Sie sitzen meist in einer Höhe von 20–80 cm und warten dort auf einen vorbeistreifenden Wirt.

Wie findet die Zecke ihren Wirt?

Zecken besitzen das sogenannte Hallersche Organ an den Vorderbeinen. Damit registrieren sie:

  • Körperwärme
  • Kohlendioxid aus der Atemluft
  • Schweißbestandteile
  • Erschütterungen

Streift ein Mensch oder Tier die Pflanze, klammert sich die Zecke fest und wandert oft bis zu einer Stunde über den Körper, bis sie eine geeignete Einstichstelle findet.


2. Zeckenbiss oder Zeckenstich – was ist korrekt?

Medizinisch korrekt ist der Begriff Zeckenstich.

Zecken besitzen keine Kiefer im klassischen Sinn. Sie:

  1. Sägen die Haut mit sogenannten Cheliceren auf
  2. Stechen anschließend mit ihrem Saugrüssel ein
  3. Verankern sich mit Widerhaken in der Haut

Umgangssprachlich hat sich jedoch „Zeckenbiss“ durchgesetzt.


3. Wo Zecken besonders häufig stechen

Zecken bevorzugen:

  • Haaransatz
  • Nacken
  • Achseln
  • Ellenbeugen
  • Kniekehlen
  • Bauchnabel
  • Genitalbereich
  • hinter den Ohren

Bei Kindern sind zusätzlich Kopfhaut und Nacken besonders häufig betroffen.


4. Zecken sind fast ganzjährig aktiv

Früher sprach man von einer „Zeckensaison“ zwischen April und Oktober. Durch mildere Winter sind Zecken inzwischen bei Temperaturen über 7 °C aktiv – teilweise ganzjährig.

Studien zeigen sogar: Mit Borrelien infizierte Zecken bilden ein frostschützendes Protein, das ihr Überleben bei Kälte verbessert.


5. Wie hoch ist das Infektionsrisiko?

Die Infektionsrate von Zecken mit Borrelien variiert regional:

  • Nord- und Ostdeutschland: ca. 6–10 %
  • Süd- und Mitteldeutschland: ca. 20–30 %

FSME-Risikogebiete liegen vor allem in:

  • Bayern
  • Baden-Württemberg
  • Teilen von Hessen
  • Thüringen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland

Die offiziellen Risikokarten veröffentlicht regelmäßig das Robert Koch-Institut.

Wichtig: Auch außerhalb ausgewiesener Risikogebiete sind Einzelfälle möglich.


Die wichtigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten

1. Lyme-Borreliose

Erreger: Borrelia-Bakterien
Übertragung: meist erst nach 12–24 Stunden Saugtätigkeit

Stadien der Borreliose

Frühstadium (Tage bis Wochen)

  • Wanderröte (Erythema migrans)
  • grippeähnliche Symptome
  • Müdigkeit

Zwischenstadium (Wochen bis Monate)

  • Nervenentzündungen
  • Gesichtslähmung
  • Herzmuskelentzündung

Spätstadium (Monate bis Jahre)

  • chronische Gelenkentzündungen
  • Hautveränderungen
  • neurologische Schäden

Wichtig: Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Früh erkannt ist sie gut antibiotisch behandelbar.


2. FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Erreger: FSME-Virus
Übertragung: sofort beim Stich möglich

Krankheitsverlauf

Phase 1:

  • Fieber
  • Kopf- und Gliederschmerzen

Phase 2 (bei etwa 10 % der Erkrankten):

  • Hirnhautentzündung
  • Gehirnentzündung
  • Lähmungen
  • Koordinationsstörungen

Gegen FSME existiert eine wirksame Impfung, die besonders in Risikogebieten empfohlen wird.


3. Weitere Erkrankungen

Zecken können selten auch übertragen:

  • Babesiose (vor allem bei Hunden)
  • Tularämie
  • Rickettsiosen
  • Listeriose

 

Welche Krankheiten übertragen Zecken

1. Lyme-Borreliose, durch Borrelien-Bakterien, verursacht neurologische- und Organschäden
2. FSME, Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis, durch FSME Viren, verursacht Hirnhautentzündung und neurologische Schäden.
3. Tularämie, durch Erreger Francisella tularensis
4. Listeriose, durch Erreger Listeria monocytogenes 5. Rickettsiosen

Eine Richtigstellung Zeckenbiss oder Zeckenstich?

Zecken beißen nicht – sie stechen!

Umgangssprachlich wird immer vom Zeckenbiss gesprochen, auch in unserem Ratgeber sprechen wir von Biss der Zecke, was aber technisch gesehen nicht ganz richtig ist. Wenn die Zecke auf Ihrem Wirt sitzt und eine geeignete Stelle gefunden hat beginnt Sie die Haut mit den unter einem schützenden Futteral liegen Stechzangen aufzusägen.

Dies wird auch cheliceren genannt. Wenn die Zecke beißen würde, müsste Sie 2 Kiefern haben, nur mit Unter- und Oberkiefer würde man von einem Beißprozess sprechen. Wenn Sie die oberen Hautschichten aufgesägt hat, sticht die Zecke mit ihrem Saugrüssel in die Haut und saugt das Blut heraus – also ist die richtige Bezeichnung – Zeckenstich – und deshalb heißt auch unser Webprojekt so.

Zecken bei Haustieren

Eine zunehmend verbreitete Art ist die Dermacentor reticulatus, auch Auwaldzecke genannt.

Sie überträgt die Babesiose („Hundemalaria“) und befällt:

  • Hunde
  • Pferde
  • Rinder
  • Schafe

Haustiere sollten ganzjährig mit geeigneten Präparaten geschützt werden.


Der richtige Schutz vor Zecken

1. Kleidung

  • Lange Hosen
  • Langärmelige Oberteile
  • Feste Schuhe
  • Helle Kleidung (Zecken besser sichtbar)

2. Körperkontrolle

Nach jedem Aufenthalt im Freien:

  • gesamten Körper absuchen
  • Kinder besonders gründlich kontrollieren
  • Duschen kann lose Zecken entfernen

3. Repellents

Chemische Zeckenschutzmittel können wirksam sein, bieten jedoch:

  • zeitlich begrenzten Schutz
  • keinen 100%igen Schutz
  • mögliche Hautreaktionen

Sie sind eine Ergänzung – kein Ersatz für Kleidung und Kontrolle.

4. FSME-Impfung

Empfohlen bei:

  • Wohnort im Risikogebiet
  • regelmäßigen Aufenthalten im Wald
  • Reisen in Endemiegebiete

Die Kosten übernehmen meist gesetzliche Krankenkassen.