Lyme-Borreliose: Lyme-Arthritis und Gelenkschmerzen als Zeckenbiss Spätfolgen

Spätfolgen eines Zeckenbisses

Schmerzen in den Gelenken, sogenannte Gelenkprobleme sind meist unangenehm. Die Betroffenen schreiben die Ursache der Überanstrengung sowie Gicht oder Arthrose zu. Sie denken nicht daran, dass die Gelenkschmerzen Spätfolgen eines Zeckenbisses sich in denselben Symptomen äußern. Zecken in bestimmten Gebieten tragen den Erreger von Borreliose in sich. Saugen sie mehr als zehn Stunden unentdeckt Blut, besteht die Gefahr einer Infektion.

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lyme borreliosis – Urheber: jarino47 / 123RF

Die Krankheit befällt eher große Gelenke wie Hüfte, Schulter oder Knie. Mit einer Gelenkpunktion stellt der Arzt fest, ob die Vermutung sich bestätigt. Diese Spätfolge der Borreliose-Infektion nennt sich Lyme-Arthritis. Welche spezifischen Behandlungen helfen und wie die Diagnose vor sich geht, lesen Sie im folgenden Text.

 

Lyme-Borreliose: Wie ein Zeckenbiss Jahre später krank macht

Die Zecke überträgt beim Stich einerseits Viren, welche eine Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME auslösen. Andererseits finden die schraubenförmigen Borreliose-Bakterien den Weg ins Blut der betroffenen Person. Neben diversen Symptomen ist die Wanderröte das charakteristische Merkmal der Krankheit. Nach Thomas Löscher, Tropenmediziner und Infektiologe der Universitätsklinik München Innenstadt, bildet sie sich bei 50 Prozent der Infizierten innerhalb weniger Stunden bis Wochen nach dem Biss.

 

Lyme-Arthritis als Spätfolge eines Zeckenbisses

In einigen Fällen verläuft Borreliose unentdeckt und ohne das klassische Merkmal. Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich tauchen unerwartet Gelenkprobleme auf. Der Betroffene ordnet sie nicht ein, da kein Grund ersichtlich ist. Es handelt sich um die Lyme-Arthritis. In den 70er-Jahren erschienen im amerikanischen Ort Lyme Fälle, wo Arthritis nach einem Zeckenbiss auftauchte. Daher stammt der Name des Leidens. In Deutschland erkranken pro Jahr rund 100.000 Menschen an Borreliose. Jeder zehnte ist von Gelenkproblemen als Spätfolge eines Zeckenstichs betroffen.

Das Knie ist am häufigsten von Lyme-Arthritis befallen. Andere typische befallene Gelenke sind die Schulter oder die Hüfte. Die Krankheit tritt immer auf einer Seite auf. Folgendes sind typische Anzeichen:

  • plötzliches Anschwellen des Gelenkes ohne Verletzung oder Überlastung
  • Gelenkerguss (Flüssigkeit in den Gelenken),
  • Gelenkschmerzen.

Laut Thomas Löscher springt die Entzündung hin und her. Bei einem betroffenen Knie taucht sie in der Schulter oder an der Hüfte auf.

 

Weitere Auswirkungen der Borrelien

Die Borrelien bewirken die Entstehung einzelner Wurstfinger oder Wurstzehen. Bei Rheuma sind alle kleinen Gelenke betroffen, die Borrelien lassen einzelne anschwellen. Die Bakterien sind die Ursache für die Entzündungen in den Gelenken. Die Reaktion des Immunsystems der betroffenen Person bestimmt, ob sich diese im Gelenk festsetzen oder nicht. Um festzustellen, dass die Borrelien die Entzündung verursachen, sind diverse Untersuchungen notwendig.

 

Diagnose-Verfahren zur Erkennung von Lyme-Arthritis

Der Arzt punktiert einen Gelenkerguss zur Ursachenforschung. Der Vorgang verschafft dem Patienten Erleichterung und mindert die Schmerzen. Er schickt das Punktat in ein Labor zur Untersuchung. Bei Lyme-Arthritis als Spätfolge eines Zeckenbisses enthält es die DNA der Borrelien. Mit einer Polymerase-Kettenreaktion(PCR) ist ihr Vorhandensein mit großer Sicherheit festzustellen.

Ohne Erguss am Gelenk gestaltet sich die Diagnose schwieriger. Eine Möglichkeit ist ein Bluttest auf Antikörper der Borrelien. Diese Methode ist nicht sicher, da Menschen in vielen Gebieten Deutschlands diese aufweisen und nicht akut erkrankt sind. Sie deuten auf einen früheren Kontakt mit Borrelien hin, der ohne Konsequenzen blieb. Als Alternative bleibt die Interpretation der Symptome. Deshalb handelt es sich oftmals um eine reine Verdachtsdiagnose.

 

Behandlung von Gelenkbeschwerden bei Borreliose

Ein Antibiotikum wie Doxycyclin ist ein Standardmedikament zur Behandlung der Spätfolge eines Zeckenbisses. Der Patient nimmt die Tabletten zwei bis drei Wochen lang streng nach Anweisung des Arztes ein. Die orale Gabe eines Medikamentes ist ausreichend, um die Beschwerden zu minimieren.

Die Erfolgsquote in Deutschland ist hoch und selten bleiben irreparable Gelenkschäden zurück. In den USA sind die Borrelien heimisch und aggressiver. Deshalb sind in ihren Regionen durch sie zerstörte Gelenke häufig anzutreffen.

 

Studie: Spät- und chronische Lyme-Borreliose

Die Studie Spät- und chronische Lyme-Borreliose stammt von Dr. med. Sam T. Donta aus dem Jahre 2002. Sie ist unter dem Namen Donta-Studie bekannt. Dr. Donta untersuchte gründlich die Auswirkungen und Behandlung von chronischer Borreliose. Er kommt zu dem Schluss, dass die unzureichenden Diagnose-Methoden und unangemessene Vergleiche von Antibiotika die Diagnose und Behandlung der Krankheit behindern. Laut Donta bedarf es der Entwicklung eines Testverfahrens, das das Ausmaß und die Anwesenheit jeglicher residualer Lyme-Borreliose zu bestimmen vermag.

 

Placebo- und Doppel-Blind-kontrollierte und vergleichende Studien sind notwendig, um die Klasse und Dauer der Antibiotika-Therapie zu bestimmen. Laut Donta zeigten zusätzliche Untersuchungen, ob

  • eine längere Behandlungsdauer,
  • eine neuartige Kombination eines Makrolides und eines lysosomotropischen Mittels oder
  • der Gebrauch von Tetracyclin

in der Behandlung wirksam wären. Für ihn sind die Antibiotika mit einer intrazellulären Aktivität und Konzentration die wirksamste Behandlungsmethode. Auf jeden Fall benötigen Spätfolgen von Zeckenbissen viel Aufmerksamkeit, um dauerhafte Schäden zu vermeiden.

 

Heilungschancen bei Lyme-Borreliose? Eine Studie

Der Mediziner Dieter Hassler untersuchte von 1987 bis 2007 4000 Bürger aus Kraichtal in Baden-Württemberg. Er nahm ihnen Blut ab und testete es auf die Antikörper gegen Lyme-Borreliose. Das überraschende Ergebnis zeigte bei 16,7 Prozent der Probanden ein positives Ergebnis. Die meisten wussten nicht, dass sie früher einen Zeckenstich erlitten.

Nach zwanzig Jahren Forschung kommt Hassler zum folgenden Ergebnis: Das menschliche Immunsystem rottet den Erreger nicht von selbst aus. Er bestätigt, dass alle seropositiv Getesteten nach spätestens acht Jahren symptomatisch wurden. Die Spätfolgen eines Zeckenbisses heilen nicht selbst. Sie hängen von einer Behandlung mit Antibiotika ab.

 

Vorsicht ist die beste Prävention

Zeckenstiche sind erst gefährlich, wenn das Tier unbemerkt mehr als zehn Stunden Blut saugt. Vorher ist eine Übertragung der Erreger unwahrscheinlich. Wer sich in der freien Natur aufhält, tut gut daran, sich nach dem Abenteuer oder Spaziergang auf Zecken zu untersuchen. Am effizientesten ist die Beobachtung einer anderen Person. Eltern untersuchen die Haut ihrer Kinder regelmäßig auf die kleinen Tierchen, um mögliche Spätfolgen eines Zeckenbisses zu vermeiden.

Informieren Sie sich darüber, ob sie in einem gefährdeten Gebiet leben und folgen Sie den Empfehlungen der Gesundheitsbehörde. Das auf die leichte Schulter nehmen der Bedrohung ist ebenso wenig hilfreich wie die übertriebene Angst.

Bewegung und Spaziergänge draußen sind gut für die Gesundheit. Die regelmäßige Untersuchung der Haut hilft, die Gefahr zu minimieren. Finden Sie eine Zecke, reagieren Sie sofort und entfernen sie sachgemäß. Zur Information: Infizieren sich Personen mit Borreliose, treten nicht in allen Fällen Spätfolgen des Zeckenbisses auf.

 

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