Rückenschmerzen bei Zeckenbiss und Borreliose

Anhaltende Rückenschmerzen nach dem Zeckenbiss: eines von vielen Borreliose Symptomen

Einige Jahre nach einem Zeckenbiss weisen Rückenschmerzen auf eine chronische Lyme-Borreliose hin. Der damals unbeschwerte Streifzug im Wald blieb nicht ohne Folgen. Die kleine Zecke setzte sich unbemerkt in der Haut fest. Die Mutter schaute nicht nach, ob ihre Tochter unbeschadet nach Hause kam.

Das Tier steckte über zwei Tage lang in der Haut und übertrug die Borreliose-Erreger ins Blut. Später fiel sie von selbst ab, weshalb niemand den Stich bemerkte. Weder Eltern noch Arzt waren in der Lage, die darauffolgenden Symptome der Zeckenkrankheit Borreliose zuzuordnen. Deshalb hat Anna noch heute mit den Folgen der jetzt chronischen Krankheit zu kämpfen.

 

Borreliose Symptome

Borreliose Urheber: someoneice / 123RF

 

 

Rückenschmerzen als Symptom von chronischer Borreliose

Je nachdem, in welcher Gegend Sie wohnen, achten Sie darauf, bei einem Wald- und Wiesenspaziergang den Zecken aus dem Weg zu gehen. Das ist wichtig, weil sie in diversen Gebieten Deutschlands gefährliche Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.

Ersteres ist problematisch, da ihre Symptome auf unzählige Krankheiten hinweisen. Dadurch erkennt sie der Arzt oft zu spät, um mit Antibiotika wirkungsvoll dagegen anzugehen. Borrelien sind Bakterien, die bei einer Infektion eine Vielzahl an Symptomen auslösen.

 

Wie erkennen Sie Borreliose?

Das Charakteristischste ist die Wanderröte. Eine sich ringförmig um die Einstichstelle ausbreitende Entzündung bedeutet in vielen Fällen, dass ein Zeckenbiss stattfand, der Folgen mit sich bringt. Bei einigen Personen zeigt sich diese Röte nicht und macht es sogar Ärzten schwer, später Rückenschmerzen nach einem Zeckenbiss als Symptome dessen einzuordnen.

An dieser Stelle ist es zu spät, um eine wirkungsvolle Therapie gegen die Borreliose zu starten. Die Rückenschmerzen zeigen an, dass das Leiden chronische Züge angenommen hat. Die ebenfalls auftretenden Kopfschmerzen, Fieber und Gelenkschmerzen ordnet die Fachperson fälschlicherweise einem grippalen Infekt zu.

Borreliose breitet sich ungehindert im menschlichen Körper aus. Nachdem sie über Jahre unentdeckt bleibt nimmt sie die Form der chronischen Lyme-Borreliose an. Neben Rückenschmerzen nach einem Zeckenbiss sind folgendes weitere Symptome:

  • Schmerzen in den Nerven,
  • wiederkehrende Entzündungen in Gelenken,
  • ständige Müdigkeit,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • Kurzatmigkeit und Beklemmung.

 

Nicht bei jeder Person treten alle Symptome auf. Bei einer Häufung der letzten beiden Punkte ist eine Verwechslung mit Angina Pectoris möglich. Die Vielzahl der Anzeichen erschwert eine klare Zuordnung. Unklare Laborwerte deuten auf eine nicht ausreichend therapierte Infektion hin. Es existiert noch kein standardisierter Labortest, der eine Diagnose zulässt. Deshalb tippen Ärzte ohne Erfahrung mit Borreliose bei den auftretenden Symptomen eher auf Parkinson, Lupus, chronisches Müdigkeitssyndrom oder Alzheimer.

 

Aussicht bei chronischer Borreliose mit Rückenschmerzen nach Zeckenbiss

Borreliose ist nicht heilbar. Nach dem Erkennen ist eine Therapie mit Antibiotika der erste Schritt. Sie bringt nur eine Verbesserung, wenn sie über Monate oder Jahre zur Anwendung kommt. Je später der Arzt die Krankheit diagnostiziert, desto weniger erfolgversprechend ist die Behandlung. Der Patient kämpft länger mit den starken neuropathischen Schmerzen in Rücken und Gelenken.

Sie schränken die Lebensqualität extrem ein, solange die Entzündung im Rückenmark nicht zurückgeht. Dies dauert in der Regel sehr lange. In einigen Fällen bleiben die Schmerzen nach dem Abklingen der Entzündung dauerhaft bestehen. Dann schaffen alternative Therapien Hilfe, um den stressigen Alltag besser zu bewältigen.

 

Rückenschmerzen bei Zeckenbiss: neuropathische Schmerzen

Neuropathische Schmerzen sind das Symptom einer Neuropathie. Dies ist der Oberbegriff für Erkrankungen des Nervensystems. Klassische Schmerzmedikamente helfen gegen das chronische Leiden nicht.

Es entsteht durch die Schädigung des Nervensystems, die eine fehlerhafte Schmerzverarbeitung und -weiterleitung verursacht. Eine frühzeitige Diagnostik und eine multimodale Therapie bilden gute Voraussetzungen und die Schmerzen in Schach zu halten. Die Gefahr der Chronifizierung besteht immer. Deshalb gilt: Je früher erkannt, desto besser sind die Heilungschancen.

Der Name neuropathisch kommt von neuro=nerv und patho=krankhaft. Fünf bis sechs Millionen Deutsche leiden unter diesen chronischen Schmerzen. Sie entstehen durch die Schädigung von Nervenfasern. Neuropathische Schmerzen als Folge eines Zeckenbisses sind dem peripheren Nervensystem zuzuordnen. Ein erstes Anzeichen sind Sensibilitätsstörungen. Dies sind typische, einschießende und brennende Schmerzen. Dazu gesellen sich Durchblutungsstörungen, veränderte Schweißsekretion oder Hautveränderungen, falls eine Beteiligung des sympathischen Nervensystems vorliegt. Rückenschmerzen nach einem Zeckenbiss sind ein Indiz für das Vorliegen einer solchen Schädigung.

 

Charakteristika von neuropathischen Schmerzen

Die Läsion an den Nervenfasern induzieren plastische Veränderungen derselben. Diese verselbstständigen sich und erhalten eine irreversible Form. Im Fall einer solchen Form der Neuropathie sind die Schmerzen chronisch.

Bei neuropathischen Schmerzen klagen Patienten über eine mechanische Überempfindlichkeit. Schon leichte Berührungen lösen große Schmerzen aus, was für Freunde und Familie schwer nachzuvollziehen ist. Das Gefühl von Feuer auf der Haut oder dem Kribbeln und Brennen von Ameisen sind typische Anzeichen.

Klassische Schmerzmedikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac haben keinen Effekt. Eine Kombination aus Antidepressiva, Opioiden und Antiepileptika zeigen in einigen Fällen Erfolge. Heilungschancen bestehen nur im Frühstadium, wenn die Neuropathie noch nicht chronisch ist. Die Früherkennung von Borreliose ist bis heute ein Problem, da keine standardisierten Tests bestehen. Deshalb sind Rückenschmerzen nach einem Zeckenbiss oft zu spät erkannt, um dem Chronifizierungsprozess noch Einhalt zu gebieten.

 

Studie über die Lebensqualität von Patienten mit chronischer Lyme-Borreliose

Rückenschmerzen nach einem Zeckenbiss sind Teil der chronischen Lyme-Borreliose. Die amerikanische Studie „Severity of Chronic Lyme disease compared to other chronic conditions: a quality of life issue” von Prof. Jennifer Mankoff von der Carnegie Mellon University und ihrem Team zeigt, dass erkrankte Personen deutliche Einschränkungen ertragen. Ihre Invaliditäts- und Arbeitslosenrate ist höher als bei Personen mit anderen chronischen Leiden wie Asthma, Diabetes oder multiple Sklerose.

Die Studie aus dem Jahr 2014 leistet einen wichtigen Beitrag zur Information. Bei einer wachsenden Anzahl an Borreliose-Fällen war bis dahin nur wenig über chronische Borreliose-Patienten bekannt.

 

Viele Arbeitgeber sind sich nicht bewusst, wie stark die Krankheit das Wohlbefinden der Personen einschränkt. Laut der Studie sind 40 Prozent der Erkrankten nicht in der Lage, zu arbeiten. 24 Prozent waren nach einiger Zeit nicht mehr erwerbsfähig. Die Patienten leiden stark unter niedriger Lebensqualität und hoher Invalidität sowie Arbeitslosigkeit.

 

Zukunftsaussichten für Patienten mit Lyme-Borreliose

Rückenschmerzen nach einem Zeckenbiss sind nur ein Symptom, unter dem Patienten mit Lyme-Borreliose leiden. Wie die Studie zeigt, ist sich die Bevölkerung zu wenig über die Konsequenzen dieser schweren Krankheit bewusst. Dies führt zu Unverständnis und überzogenen Forderungen an Patienten, was ihr Leiden weiter verschlimmert. Es ist nie zu spät, am Anfang anzusetzen. Informieren Sie sich darüber, ob in Ihrem Wohngebiet Zecken mit gefährlichen Erregern heimisch sind. Falls ja, kontrollieren Sie sich und Ihre Familie streng auf Zeckenbisse, um Ihren Liebsten eine schwierige Zukunft mit der Krankheit und mit viel Schmerzen zu ersparen.

 

Quellen:

https://bomedus.com/wissen/leitartikel/117_borreliose-und-rueckenschmerzen-der-gefaehrliche-zeckenbiss/

https://peerj.com/articles/322.pdf

 

 

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